Thema verfehlt!

Seit dem Weltgipfel von Rio 1992 steht auch beim Thema Stadtentwicklung „Nachhaltigkeit“ ganz groß im Kurs. Überall wurden sogenannte Agenda 21- Prozesse angeschoben, in Konzepten und öffentlichen Diskussionen mit Begriffen wie ökologischer Stadtumbau, kompakte Stadt oder Bürgerbeteiligung um sich geschmissen.

So natürlich auch in Potsdam. Allerdings bietet ein Blick hinter die Fassaden offizieller Verlautbarungen oft Unverständliches.

So heißt die Luxussanierung der „Schiffbauergasse“ plötzlich „Soziokulturelles Zentrum“! Das keines der Merkmale typischer „Soziokultureller Zentren“ dabei auch nur annähernd zutrifft, lernen SozialpädagogikstudentInnen heute schon im 1. Semester. Oder sie begreifen es, wenn sie vor muskelbepackten Türstehern scheitern.

Im Entwicklungsgebiet „Bornstedter Feld“ entsteht nach offiziellen Aussagen „Urbanes Leben“ nach dem Vorbild der Stadtentwicklung im berühmten „Französischen Viertel“ in Tübingen. Wer sich allerdings die Mühe macht und als Bauherrengemeinschaft selbst planen und nach eigenen Ideen ökologisch bauen will, erntet höchstens ein erstauntes Schulterzucken und den Verweis auf den immer wieder gleichen Großinvestor. Partizipation heißt dann, dass mensch sich die Farbe der Fliesen aussuchen darf.

Im Kirchsteigfeld ist wenigstens kompaktes, vielfältiges Bauen versucht worden, Nutzungsmischung, tatsächliche Beteiligung oder eine Stadt der kurzen Wege als klassische Merkmale nachhaltiger Stadtentwicklung sucht man auch hier vergeblich.

Was abseits aller Nachhaltigkeitsphrasen reale Stadtentwicklung in Potsdam kennzeichnet sind genau die Probleme, die erst zur Idee einer neuen Form von Stadtentwicklung geführt hatten:

Nutzungstrennung, soziale Ausgrenzung, Verkehrs- und Lärmbelastung.

Dass der Agenda- Prozess in Potsdam nicht von einer engagierten BürgerInnengruppe getragen wird, sondern in der Stadtverwaltung, noch dazu in der Sicherheitskonferenz angesiedelt ist, ruft dann eigentlich nur noch ein müdes Lächeln hervor. Nachhaltigkeit in Potsdam ist also:

Teure Mieten, soziale Verdrängung, Sicherheit und Überwachung. Seltsame Definition.

Oder es ist so wie es schon 1999 in der Welt am Sonntag der Politik zum Thema „Zukunft der Städte“ bescheinigt wurde: „Die Kommunalpolitik erweist sich als unfähig, unwillig und nicht lernfähig.“

Thema verfehlt.

(kl)

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