Potsdam – Postmodern

potsdam-postmodern_hpAuf Wiedersehen Moderne – Willkommen in der Postmoderne. Was steckt hinter diesem Begriff und welchen Zusammenhang gibt es zu der Stadtentwicklung in Potsdam? Vereinfacht lässt sich die Postmoderne als die Phase der Postindustrialisierung, also Nach-industrialisierung, beschreiben. Einige Stichworte sind: Globalisierung, gesellschaftlicher Wandel (Pluralisierung der Lebensstile, veränderte Familienformen und Geschlechterrollen) und Veränderungen der Arbeitswelt (Vollerwerbsarbeit als Normalarbeitsverhältnis abgelöst durch zunehmend prekäre, also unsichere und flexible Arbeitsverhältnisse). Die immer rasantere Entwicklung der Postmoderne umfasst alle erdenklichen menschlichen Sphären, also auch die der Stadtentwicklung. Führen wir uns vor Augen, dass in Potsdam akribisch daran gearbeitet wird, Altes wieder aufzubauen, könnte eher von einer vormodernen Stadtentwicklung ausgegangen werden. Mitnichten! Ohne auf jedes einzelne Merkmal der postmodernen Stadtentwicklung eingehen zu wollen, soll zumindest auf ein wesentliches Merkmal verwiesen werden: Die befestigte Stadt mit privaten Sicherheitssystemen. Hierzu zählen öffentlich inszenierte, aber tatsächlich private Räume. Das beste Beispiel ist der Potsdamer Hauptbahnhof. Ist es nicht paradox, dass der zentrale Verkehrsknotenpunkt der Stadt ein privater Raum ist? Obwohl die Mobilität, die freie Bewegung, in der heutigen Zeit essentiell ist, besteht die Möglichkeit des Ausschlusses: Im Falle eines Hausverbotes, dass durch das Center-Management ausgesprochen werden kann. Generell sind große Einkaufszentren die Prototypen dieser inszenierten öffentlichen, aber tatsächlich privaten Räume. Ein noch drastischeres Beispiel ist der Potsdamer Platz in Berlin. In diesen nicht-öffentlichen Räumen besteht die Möglichkeit, unliebsame Bevölkerungsgruppen zu verbannen, jede Bewegung zu überwachen und die Kommerzialisierung des Stadtraumes ungebremst zu steigern. Die Folgen solcher Entwicklungen, die häufig dem Prinzip des so genannten Public-Privat-Partnership folgen, sind eine Kompetenzabgabe und Einflussverlust der öffentlichen Hand zugunsten privater Interessen. In den Bereich der befestigten Stadt zählt auch das Konzept der „gated community“. Das sind private, umzäunte und bewachte Viertel, die eher als „Oberschichtenviertel“ aus Ländern mit erheblichen sozialen Ungleichheiten bekannt sein dürften. In Deutschland gibt es genau eine „gated community“ – und die befindet sich in Potsdam. Angesichts der Entwicklungen der Postmoderne (wachsende soziale Ungleichheit) also auch hier ein Modell für die Zukunft? Die Arcadia- Wohnanlage an der Glienicker Brücke benötigte immerhin einige Jahre, bis sich genug InteressentInnen für ein Wohnen in Sicherheit gefunden haben. Mittlerweile sollen alle Häuser verkauft sein. Was für ein Zukunftsszenario lässt sich für Potsdam zeichnen? Wer weiß das schon? Nur eines ist sicher: Historische Fassaden können nicht über die Kommerzialisierung, die Kontrolle und Überwachung des Stadtraumes hinwegtäuschen. Es gilt den kritischen Blick zu schärfen, soll es nicht irgendwann ein böses Erwachen, eine totale Entfremdung von der einen alltäglich umgebenden Umwelt geben.

(fs)

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