Jugend ohne Raum

Laut Gesetz haben Jugendliche ein Recht auf eine individuelle Entwicklung deren Charakter nicht von außen definiert oder auferlegt werden darf. Hier geht es darum den eigenen Weg zu finden und um die dazugehörige Unterstützung zu erfahren. Aus diesem Recht ableitend soll sich der Jugendliche zu einer Persönlichkeit entwickeln die selbstverantwortlich und gemeinschaftsfähig ist, z.B. soll mensch Verantwortung für sich und andere übernehmen oder einen Ausgleich zwischen eigenen Bedürfnissen und dem Zusammenleben anderer herstellen. Diese Herangehensweise beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und auf dem Prinzip der Förderung.

Diesen Grundsätzen folgend sollten Angebote für Jugendliche sich einer Pädagogisierung und Verregelung insbesondere der „Jugendräume“ entziehen und Bedingungen herstellen, die es in der Interaktion erlauben, den Jugendlichen Selbstbestimmung und Selbstorganisation zu ermöglichen. Die „Räume“ der Jugendarbeit müssen also offen sein, was aber nur zu erreichen ist, wenn Räume von Nutzern und Förderern gemeinsam gestaltet werden.

Förderer sollen einerseits junge Menschen befähigen, alltagsorientiert Probleme aufzugreifen und Konflikte lösen zu können, während sie selbst auf Instanzen einwirken und sie beeinflussen sollen. Sie sollen sich offensiv mit den Lebenswelten auseinandersetzen und Jugendlichen Raum geben.

Wesentliche Elemente dabei sind die Mitbestimmung und die Mitgestaltung und damit auch die Mitverantwortung. Einer Selbstorganisation Jugendlicher muss ein viel höherer Stellenwert eingeräumt werden als bisher. Das drückt sich immer mehr in der notwendigen Förderung von Initiativen Jugendlicher aus. Solche Initiativen stellen Netzwerke dar, die sich als Aktionsgemeinschaften von jungen Menschen nach den Regeln der Selbstorganisation zusammenfinden, ihre Arbeit gemeinsam gestalten und verantworten und dabei – im Unterschied zu Jugendverbänden und –gruppen als Organisationen – nicht dauerhaft angelegt sind. Der gesetzliche Auftrag, Jugendliche zu beteiligen und die Förderung selbstorganisierter Initiativen Jugendlicher stehen mithin in einem direkten Zusammenhang.

Zum Zweck der lebensweltorientierten Hilfe für den Jugendlichen kann die Forderung jugendkultureller Gelegenheiten ein anspruchsvolles Ziel sein. Erfolg verspricht dies aber nur bei einer qualitativen Konsequenz. Entscheidend ist hier das Prinzip der Offenheit. Ein offenes System kann Jugendlichen nur gerecht werden, wenn es sich offen hält für die soziokulturellen Wandlungen, die komplexen und widersprüchlichen Lebensbedingungen, Lebenslagen und Lebensstile von Jugendlichen, es sich damit angemessen, partnerschaftlich und solidarisch auseinandersetzt. Ein Raum für Jugendliche muss sich in der konkreten Lebenswelt verorten, um damit zum Bestandteil deren sozialer Infrastruktur zu werden.

Um den neuen Bedingungen und Anforderungen gerecht zu werden, haben sich neue Formen der Jugendarbeit entwickelt in denen nur noch Freiräume, Wege der Mittelbeschaffung und Hilfsangebote bei der Projektrealisierung vorgehalten werden. Gegenstand, Ziel und Größe des Projektes finden/planen und realisieren die Jugendlichen selbst. Ziele selbst zu definieren, Aufgaben zu planen, Verantwortung fur Teilprojekte zu übernehmen, soziale Aktivitaten und gruppenbezogenes Engagement zu entwickeln sind gesellschaftlich hochgradig wünschenswerte Eigenschaften, deren defizitäre Entwicklung von Erziehern, Lehrern, Ausbildern, Sozialarbeitern allenthalben beklagt wird (auf den präventiven Charakter derartiger Projekte sei nur nebenbei verwiesen.)

Bei genauer, wirklich ernsthafter Betrachtung der Situation in Potsdam erschließt sich ein notwendiger Bedarf an Räumen und Möglichkeiten in denen Jugendliche Toleranz und Solidarität, Bindungs-, Dialog- und Kompromissfähigkeit entwickeln und miteinander vertreten können. Sie benötigen Räume zur Entfaltung ihrer kreativen, künstlerischen und politischen Interessen, welche den selbstbewussten Ausdruck und die Auseinandersetzung an einer aktiven Gestaltung der Gesellschaft ermöglichen.

Und nicht zuletzt muß die Wichtigkeit „freiwilligen Engagements“ als weites gesellschaftliches Lernfeld fur Jugendliche benannt werden. Es zeigt sich, dass Heranwachsende durch freiwilliges Engagement nachhaltige und exklusive Lernerfahrungen machen, welches sie später als Erwachsene über mehr Sozialkompetenzen verfügen lässt, sowie sie stärker politisch interessiert und gesellschaftlich engagiert sein lässt.

Weiterhin werden durch das freiwillige Engagement in selbstverwalteten und begleiteten Jugendprojekten insbesondere Organisation-, Team-, Verantwortungs- und Gremienkompetenzen entwickelt.

Bei der letzten großen Demonstration in Potsdam mit dem Motto „Freiräume für alternative Jugendkultur“ konnte man auf vielen Transparenten den Ausspruch „Bieten Träume suchen Räume“ lesen. Unter anderem anknüpfend an diesen Wunsch sollten wir den Jugendlichen, den Kindern unserer Stadt, diese Räume geben.

Ich habe einen liebenswerten Sohn und ich möchte, dass er in einem lebenswerten und bunten Potsdam aufwachst, nicht in einer Touristenattraktion mit hohem Immobilienwertbestand und entsprechender Rendite.

7 comments to Jugend ohne Raum

  • nicht deine mutter

    Weitere Ideen für Überschriften: „Ruhm und Ehre der freien Jugend“. „Eine Jugend, Ein Raum, Ein Führer“ oder schlicht und einfach „Jugend erwache“.

    Oder aber: mehr Vorsicht walten lassen bei der Wahl der Überschriften und nicht bei Losern abschreiben….

  • admin

    zu Dokumentationszwecken freigegeben, obwohl die Argumentation nicht wirklich schlüssig ist. Stehen bestimmte Wörter, in diesem Fall „Raum“ auf dem Index oder geht es um die Kombination von „Raum“ und „Jugend“? Die vorgeschlagenen Assoziationen scheinen jedenfalls sehr weit hergeholt….

  • kalle

    Liebe/r Admin, so blöd kannst Du nicht sein. Die Parole „Volk ohne Raum“ ist eine der wirkungsmächtigsten politischen Parolen der deutschen Geschichte. Und die Suche nach diesem Raum hat. u.a. 20 Millionen BürgerInnen der Sowjetunion den Tod gebracht. Die Ähnlichkeit zu Der Überschrift fällt Dir schon auf, oder?

  • Moe

    Wieviel Jahre müssen noch vergehen, bis irgendwelche Leute aufhören nahezu krampfhaft irgendwelche Assoziationen zu konstruieren?
    Wenn man sich anstrengt findet man bestimmt bei jeder Überschrift eine Ähnlichkeit zu irgendeinem Zitat der Weltgeschichte.

  • admin

    Allerdings ist Weltgeschichte nicht gleich Weltgeschichte…

  • Jörg

    Die Assoziation bezieht sich wohl auf die Propaganda der Nazis vom „Volk ohne Raum“ oder „Lebensraum im Osten“. Das sind aber schon begrifflich völlig andere Schuhchen. Denn ein Volk oder eine Bevölkerung ohne Raum neigt zu einer räumlichen Expandierung, während eine Jugend ohne Räume eher Änderungen in der Gesellschaft anstreben wird. Aber sicher hätte man das auch eleganter übertiteln können.

  • Archi

    Was diskutiert ihr denn für schräge Sachen? Dann dürfte man ja auch keine Freiräume mehr verlangen? Das ist doch Quatsch.