Keine Träne für den Lerchensteig

keine_trane_lerchensteig_hpNach jahrelangem Einsatz von Flüchtlingsgruppen und Ausländerinitiativen wurde das einzige Flüchtlingsheim der Stadt nun endlich vom Lerchensteig in die Stadt verlegt.

Im April 2009 zogen 151 Flüchtlinge in das neu sanierte Heim am Schlaatz.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Schlaatz liegt weitaus verkehrsgünstiger als der Lerchensteig. Mit Bus und Tram braucht man nur wenige Minuten zum Hauptbahnhof oder zum Karl-Liebknecht-Stadion. Sportplätze und Bürgerhaus im Wohngebiet sind zu Fuss problemlos erreichbar. Der Schulweg verkürzt sich meist erheblich. Endlich gibt es mal Nachbarn, mit denen Flüchtlinge zusammenleben können. Au?erdem existiert ein Netz von Einrichtungen, das Haus der Generationen und Kulturen, das Bürgerhaus und der Integrationskindergarten, das über gro?e Erfahrungen mit Integration verfügt.

Natürlich funktioniert eine so gravierende Veränderung nie ohne Probleme. Auf einer Bürgerversammlung versuchten DVU und andere Rechtsextremisten bestehende Vorbehalte und Ressentiments der Bevölkerung am Schlaatz parteipolitisch auszuschlachten. Die AWO, die das Heim am Lerchensteig nicht mehr weiter betreiben kann, bemühte sich, den neuen Standort schlecht zu reden und natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen verständliche Befürchtungen. In wenigen Monaten wird darüber niemand mehr reden. In ihren internen Internetforen haben die Rechtsextremen schon eingeräumt, dass die Propaganda gegen das Flüchtlingsheim am Schlaatz gescheitert ist.

Das neue Domizil hat neun zweieinhalb Raum-Wohnungen und 56 eineinhalb Raum-Wohnungen. Die grösseren Wohnungen sind durch Familien belegt. In den restlichen Wohnungen teilen sich zumeist zwei Flüchtlinge Küche, Bad und zwei kleine Zimmer, davon ein Durchgangszimmer. Das ist natürlich kein optimaler Zustand. Die Privatsphäre ist eingeschränkt, die Räume recht klein. Auch ein Heim in der Stadt bleibt ein Heim.

Es bleibt noch eine Menge zu tun, aber es gibt keinen Grund, den umgebauten Schweineställen am Lerchensteig hinterher zu trauern. Am sinnvollsten wäre es natürlich, wenn Flüchtlinge völlig normal in Wohnungen leben könnten. Seit Jahren ist bekannt, dass die langjährige Heimunterbringung gerade bei Kindern und Jugendlichen schwere psychische Erkrankungen hervorrufen kann. Allerdings schreiben Bundesgesetze vor, dass Asylbewerber_innen im Regelfall erst einmal in einer Gemeinschaftsunterkunft leben müssen. Aber über die Ausnahmen entscheidet die Stadt. Wenn die Stadtverwaltung das Potsdamer Integrationskonzept konsequent umsetzt, soll die Aufenthaltsdauer im Heim künftig verkürzt werden und der Umzug in eine eigene Wohnung erleichtert werden. Da die Zahl der Asylsuchenden seit Jahren rückläufig ist, muss es möglich sein, so viele Leute aus dem Heim in Wohnungen zu bringen, dass jede/r erwachsene Asylsuchende schon nach kurzen Heimaufenthalt in einer eigenen Wohnung leben kann.

Schon jetzt leben im Heim 39 Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis besitzen und schnellstmöglich in eine eigene Wohnung ziehen könnten und sollten. Dass dies problematisch ist, liegt nicht zuletzt daran, dass in Potsdam zu wenig preiswerte Wohnungen existieren.

(eh)

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