Des Nazis neue Kleider

Die meisten (Potsdamer) Neonazis haben sich äußerlich „gut“ angepasst, denn sie entsprechen wie viele andere Neonazis nicht mehr den alten Stereotypen der glatzköpfigen Nazi-Skinheads. Vielmehr übernehmen sie heutzutage die Kleidungsstile und Symboliken von anderen Jugend- und Subkulturen wie der Hip-Hop-, Antifa- oder Hardcore- Bewegung. Zum einen sollen sie zu einem modischen und unauffälligen Erscheinungsbild beitragen und zum anderen erhoffen sich die Neonazis einen besseren Zugang zu bisher verschlossenen Jugendszenen und Subkulturen. Wenn Neonazis scheinbar nicht mehr offensichtlich im Stadtbild präsent sind, heißt das also nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Es ist einfach schwieriger, sie als solche zu identifizieren.
Doch nicht nur im äußeren Erscheinungsbild gibt es deutliche Veränderungen, denn bis vor einiger Zeit waren die Flügel in der neonazistischen Szene in Potsdam noch klar unterteilt. Es gab die organisierten „Freien Kameradschaften“ (z.B. „FKP“1 und „AAP“²) und die Parteistrukturen („DVU“³).
Hierbei muss noch erwähnt werden, dass die NPD4 zwar bis heute in Potsdam nicht offiziell vertreten ist, jedoch seit 2006 in Personalunion in Form von Günther Schwemmer(DVU), mit im Potsdamer Stadtparlament sitzt. Diese Doppelmitgliedschaft sorgte vor der Kommunalwahl 2008 kurzzeitig für medialen Wirbel.

In letzter Zeit verschwimmen die einst so klaren Grenzen. Denn spätesten seit der Gründung der „JN Potsdam“5) wird klar, dass sich die „freien Kameradschaften“ in parteinahen Strukturen neu aufstellen.
Das sie zum Teil ihre alten Gruppenbezeichnungen einfach weiter nutzen wird bei einem Blick auf ihre aktuelle Internetpräsenz schnell ersichtlich. Einer ihrer Texte schließt beispielsweise mit einer Art Stempel der „Nationale(n) Sozialisten Potsdam“6) ab. Diese Bezeichnung ist seit spätestens 2006 unter anderem in Form von T-Shirts auf verschiedenen Neonaziaufmärschen zu sehen gewesen.
Daraus lässt sich schließen, dass es sich bei der „JN Potsdam“ um eine Nachfolgeorganisation der bisherigen Kameradschaft („FKP“/„AAP“) handelt. An der personellen Besetzung hat sich dadurch also nichts grundlegend verändert.

Auch die Deutsche Volksunion, welche seit 1999 im Potsdamer Parlament vertreten ist, hat ihre Schnittmenge mit der Potsdamer Neonazikameradschaft.
Das DVU- Mitglied Carsten Schicke, welcher im September 2008 zu den Brandenburger Kommunalwahlen erstmals für die DVU im Landkreis Potsdam-Mittelmark antrat, ist seit spätestens 2006 im Potsdamer Kameradschaftsspektrum unterwegs. Seitdem ist Schicke regelmäßig auf Neonaziaufmärschen zu sehen. Auch er kann zur JN Potsdam gezählt werden. Das Zusammenspiel von Kameradschaften und DVU wurde auch bei der Diskussion um den Umzug des Flüchtlingsheims zum Schlaatz deutlich, als versucht wurde die Bevölkerung aufzuhetzen.

Die rechtsextreme Szene in Potsdam hat weiterhin ihre Treffpunkte. So wird aus einigen Wohngebieten berichtet, dass Neonazis gezielt versuchen, Jugendliche für ihre menschenverachtende Ideologie zu gewinnen. Der Jugendclub in Fahrland ist beispielsweise dafür bekannt, dass dort häufig Mitglieder der Potsdamer Neonazi-Szene anzutreffen sind. Die Treffpunkte sind oftmals Ausgangspunkt für rechtsextreme Aktivitäten. Neben Propagandadelikten kommt es häufig zu Angriffen auf Migrant_innen und alternative Jugendliche.

Daher ist es nach wie vor unerlässlich die Augen offen zu halten und das Problem des Neonazismus weiter zu thematisieren. Denn nur so – und durch ein entschlossenes Auftreten gegen Rechts – kann ein weiteres Ausbreiten neofaschistischen Gedankengutes verhindert und zurückgedrängt werden.
(ma)

1) Kurzform für „Freie Kräfte Potsdam“, Label der Potsdamer Neonazikameradschaft welches seit spätesten Mai 2005 verwendet wird
2) Kurzform für „Anti-Antifa Potsdam“ , neonazistische Gruppierung die seit ca. 2003 besteht; das Label wird bis heute verwendet
3) Kurzform für „Deutsche Volksunion“
4) Kurzform für „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“
5) „Junge Nationaldemokraten“, offizielle Jugendorganisation der NPD
6) „Nationale Sozialisten Potsdam“, weiteres Label der Potsdamer Neonazikameradschaft welches seit spätestens 2006 verwendet wird

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