Das Fortbewegungsmittel Fahrrad

Das Fortbewegungsmittel Fahrrad und die Stadt Potsdam. Das ist auch wieder eine dieser unendlichen, paradoxen Geschichten, die das Leben hier schreibt. Paradox deshalb, weil sich unsere Stadt zum Radfahren eigentlich bestens eignet. Es gibt kaum Steigungen und die Wege sind kurz. Hinzukommt, dass es kaum eine ökonomischere und ökologischere Art der Fortbewegung gibt. Das hat auch die Verwaltung erkannt, möchte Fahrradstadt werden und den Fahrradanteil am individuellen Personenverkehr weiter fördern. Von derzeit 20 Prozent auf 27 Prozent im Jahr 2012. Beeindruckende Zahlen wurden auch in der Tagespresse veröffentlicht. Dort war zu lesen, dass in Potsdam täglich 300.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Zwei Drittel der Potsdamer_Innen besitzen ein Fahrrad, steigen 80.000 mal pro Tag auf den Drahtesel und fahren damit durchschnittlich 3,7 Kilometer. Das entwickelte Radwegkonzept beinhaltet 400 Maßnahmen, die ein Volumen von 6,2 Millionen Euro einnehmen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei am Ausbau des Radwegnetzes.

Aber wie ernst ist es der Verwaltung wirklich? Ein schönes Beispiel ist die Baustelle am Fuße der Langen Brücke, wo Radfahrer_Innen zusammen mit eilenden Fußgängern und bummelnden Tourist_Innen in ein Nadelöhr gezwängt werden, um das zukünftige Prunkschloss zu umrunden. Ein flüssiges Weiterkommen in die Breite Straße in Richtung Potsdam West wird so verhindert und ein potentieller Unfallschwerpunkt geradezu provoziert. Ein weiteres – schon häufig thematisiertes – Ärgernis ist die alltägliche Repression z.B. durch die Polizei. Vor nicht allzu langer Zeit stand die Polizei häufig auf der Humboldtbrücke und kassierte alle ab, die ihrer Meinung nach auf der falschen Seite fuhren. Dazu gab es Belehrungen ob der Unfallgefährdung durch dieses unglaubliche Vergehen. Als dann jedoch die Bauarbeiten auf der Humboldtbrücke begannen, wurden Fußgänger_Innen und Radfahrer_Innen selbstverständlich über eine Brückenseite geschickt. Seltsamerweise ohne entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um diesen „Unfallschwerpunkt“ abzusichern. In der Debatte um das Fahrradfahren in den Parks gipfelte die fahrradunfreundliche Stimmung in Potsdam. Fern jeglicher Partizipations- und Mitbestimmungsgrundsätze wurde kurzerhand ein Schwung sinnfreier Regeln erlassen. Nur durch den Druck der Öffentlichkeit sah sich die Schlösser-Stiftung genötigt (vorerst) Kompromisse einzugehen. Was zeigt uns das? Wie bei so vielem in Potsdam gibt es zwei Seiten derselben Medaille. Jene Seite, die ein positives Image erzeugen soll und auf der anderen Seite: die Realität.

Dabei ließen sich doch auch positive Schlagzeilen machen. Was ist mit in der Stadt verteilten, günstigen Münz-Leih-Fahrrädern?

(fs)

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