Wie geht es weiter in Potsdam? Kommt zur Demonstration am 6. Juni !

Auf das nächste anstehende Highlight – zu dem auch wir ausdrücklich aufrufen – wurde bereits im Vorwort hingewiesen. Am 6. Juni startet ab 15 Uhr vom Hauptbahnhof Potsdam erneut eine Demonstration für mehr Freiräume und eine – für alle – lebenswerte Stadt. Das Problem ist unverändert, dass Motto ähnlich. Anstelle von „Freiräume statt Schlossträume“ heißt es diesmal „Lebensräume statt Preußenträume“. Für die OrganisatorInnen, eine breites Bündnis von Potsdamer Projekten und Initiativen, steht der Begriff „Preußenträume“ sinnbildlich für die Politik in dieser Stadt. Große Anstrengungen sind fast ausschließlich bei so genannten Prestigeobjekten, die Potsdam zu ausstrahlenden Glanz verhelfen sollen, zu erkennen. Bei Problemen wie steigenden Mieten oder verschwindenden Kultureinrichtungen etc. wird hingegen so getan, als ob es quasi naturgesetzliche Abläufe seien, die wir einfach so hinzunehmen hätten.

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Dabei drängt sich der Eindruck auf, dass die Stadt bestimmte problematische Prozesse begünstigt oder steuert. Wenn diese dann nahezu abgeschlossen sind, wirkt die Verwaltung erstaunt, als ob es nicht absehbar gewesen wäre. Städtisches Engagement erfolgt häufig nur nach großem öffentlichem Druck bzw. erreicht lediglich diejenigen, die kritische Töne zurückhalten. Dass diese Entwicklungen zu irreparablen Schäden führen, wird ignoriert. Auf der einen Seite wird von jungen Menschen soziales und politisches Engagement eingefordert. Doch auf der anderen Seite sorgen bürokratische Hürden und wertlose Lippenbekenntnisse schnell für Ernüchterung und führen schließlich zu Resignation.

Attribute von Lebensqualität in Potsdam sind nicht Gestaltungsmöglichkeit, Lebhaftigkeit, Vielfalt und Teilhabe, sondern Ruhe, Ordnung und Sauberkeit. Alles was nicht in das enge Korsett des positiven Images passt, fällt der strukturellen und/oder offenkundigen Verdrängung zum Opfer.

Einen Ersatz für den Spartacus gibt es immer noch nicht. Das Areal der Wasserwerke an der Friedrich-Engels Straße, konzeptionell unter dem Namen „Freiland“ geführt, könnte die Situation entspannen. Dass die Stadt ein zügiges Vorankommen durch andauernde Bedarfsanalysen verhindert, ist bezeichnend. Im Demonstrationsaufruf heißt es dazu: „Kurioserweise war eine Bedarfsanalyse bei der dem Spartacus empfohlenen, abrissreifen Johannsenstraße nicht erforderlich und wird erst bei brauchbaren Angeboten obligatorisch.“ Eine endgültige Lösung ist noch immer nicht in Sicht. Da der Konflikt nun seit Monaten schwelt, wird sich die Frage gestellt, was sich seitdem noch getan hat. „Die Skaterhalle wurde abgerissen, um Platz für den Privatpark des mittlerweile zahlungsunfähigen Palais Lichtenau zu schaffen. Das Archiv hat immer noch keine langfristige Sicherheit, lediglich einen erneuten Aufschub bis Juni. Auch die Wagenburg auf Hermannswerder hat die Kündigung bekommen.“ Doch auch die Projekte, die einen scheinbar sicheren bzw. jetzt gesicherten Status haben, sind und bleiben nicht frei von Sorgen.

Wir stellen uns natürlich die Frage, wie es in Potsdam weiter geht. Schon die aktuelle Protestkampagne zeigt, dass langwierige Auseinandersetzungen an den Nerven zehren. Das weiß natürlich auch die Stadt, die nur das nötige Sitzfleisch haben muss. Klar, wir gehen in Schulen und zur Arbeit, haben Familien und Freunde und müssen unser Privatleben und Alltag organisieren. Wir als Menschen, aber auch als Wohn- oder Kulturprojekte müssen täglich „ums Überleben“ kämpfen. Wir sind in dieser durchstrukturierten Welt dermaßen eingespannt, dass es schwierig ist kontinuierlich auf ein Ziel hinzuarbeiten. Trotzdem wünschen wir uns, dass das kritische Verhältnis zur Lebensqualität und Stadtentwicklung in Potsdam nicht abbricht. Sprecht mit euren Nachbarn, Bekannten, Verwandten oder Kollegen über euer Umfeld und eure Umwelt.

Das Gefühl von Ohnmacht, Beklemmung und Sorge betrifft freilich auch die Welt außerhalb von Potsdam – gerade in diesen Zeiten. Steckt darin vielleicht die Chance?

(fs)

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